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Das schöne Dorf Várzea Grande hiess früher Várzea de Além ('Feld von drüben'), während Várzea de Aquém ('Feld auf dieser Seite') der Name für das heutige Dorf Várzea Pequena war - 'auf dieser Seite' und 'drüben' bezieht sich darauf, dass die beiden Dörfer sich auf unterschiedlichen Seiten des Flusses Ceira befinden. 'Vila Nova do Ceira' ist der Name der Freguesia, von welcher Várzea Grande der Hauptort ist, obgleich viele Leute gegenwärtig diesen Namen auch auf das Dorf Várzea Grande selbst beziehen.
Im Herzen des Dorfes befindet sich die wunderschöne Kirche von São Pedro, welche auf einem grossen Platz steht und deren Glocken im halbstundentakt schlagen. Hier spenden Linden willkommenen Schatten und die Leute treffen sich um Karten zu spielen, sich zu unterhalten oder einfach nur den Tätigkeiten im Dorf zuzusehen. Um den Platz herum reihen sich die Geschäfte: Ein Lebensmittelladen, eine Apotheke, zwei Fleischer, ein Friseur, Bekleidungs- und Geschenkartikelgeschäfte und drei Cafés. Im Ort gibt es einen wohlsortierten Supermarkt und die landwirtschaftliche Kooperative, die auch eine Tankstelle betreibt, sowie ein Sägewerk. Das Dorf hat seine eigene Zeitung - "O Varzeense" – die hier geschrieben und herausgebracht wird, wie auch eine Blasmusikkapelle, zwei Folkloretanzgruppen und eine Gruppe für moderne Tänze.
In Várzea Grande befinden sich mehr grosse Häuser und Quintas (Landsitze) als irgendwo sonst im Concelho. Der Reichtum entstand aus dem fruchtbaren Landwirtschaftsland im Tale und die Besitzer bezogen grosszügige Profite aus ihren Ländereien. Várzea Pequena, auf der anderen Seite des Flusses, ist eigentlich das ältere der beiden Dörfer und Várzea Grande wuchs grösstenteils während des 19-ten Jahrhunderts. Heute vereint es sich mit mehreren kleineren Weilern, die am Dorfrande liegen.
Várzea Grande liegt zwischen vier Hügeln gebettet und war dadurch von der Aussenwelt ziemlich abgeschieden – zu Beginn des 20-ten Jahrhunderts traf die Nachricht vom Ende der Monarchie und der Gründung der Republik (5. Oktober 1910) erst sieben Tage später am 12. Oktober ein. Diese Abgeschiedenheit bewirkte jedoch auch, dass die Einwohner ihre Traditionen und Bräuche bis vor kurzem beibehielten und pflegten.
Ein seltsamer Brauch bestand darin, dass wenn eine Frau in den Wehen lag und die Geburt mit Komplikationen verbunden zu sein schien, diese ein jungfräuliches Mädchen zur Kapelle von Mártir schickte wo dieses dann auf einer Leiter zum Dach der Kapelle stieg und einen der Dachziegel umkehrte. Dies hatte (angeblich) die Wirkung die Energie in Bewegung zu setzen und oftmals, wenn das Mädchen zurück kam, war das Kind bereits geboren.
Die religiösen Feste des Jahres waren mit Aktivitäten gekennzeichnet, die nicht immer einen klar ersichtlichen Zusammenhang mit dem Christentum hatten, sondern oftmals eine viel ältere Lebensart wiederspiegelten.
In der Mitte der Fastenzeit, in den 40 Tagen zwischen Karneval und Ostern, fand der Brauch der "Serração da Velha" ('Das Zersägen der alten Frau') statt. An dieser Tradition nahmen ausschliesslich Männer teil. Nachts stellten sie eine Puppe her indem sie Kleider mit Stroh füllten. Diese Puppe sollte die älteste Frau des Dorfes darstellen. Gemeinsam gingen sie mit der Strohpuppe zum Haus der ältesten Dorfbewohnerin und vor diesem sägten sie mit Hilfe einer Zweimann-Handsäge die Puppe in der Mitte durch und taten so als ob sie über den Tod der alten Frau weinen würden. Nach Vollendung dieser Tat war es an der Zeit ihren 'letzten Willen' zu verkünden und vor versammelter Menge schritt man zur Testamentseröffnung: Die Kleider und Accessoires wurden an verschiedene Personen vererbt entsprechend einiger relevanten satirischen Kriterien – Z.B: "Ich vermache meine Schuhe dem Pfarrer, weil seine ganz durchlöchert sind; meine Unterwäsche vermache ich ...... weil ich ihn gestern nackt im Hause meiner Nachbarin sah..!" Dies war ein Weg soziale Kritik auszusprechen und diese war gewöhnlicherweise gegen die Autoritäten oder reiche Leute der Umgebung gerichtet.
Das Fest von São João ist die Feier zur Sommersonnenwende und wird jeweils am 24. Juni ausgetragen und in Várzea Grande wurde es in grossem Stil gefeiert. Ein Pavillion wurde im Dorfzentrum errichtet und in der Mitte von diesem befestigte man einen 4m hohen Holzpfosten, welcher mit Myrthen und Bachfarnen geschmückt war und jedermann tanzte um diesen herum. Ebenso zum Fest von São João stellten die Einwohner jedes Jahr einen grossen Ballon her, der aus Draht geformt und mit Seidenpapier aussen verkleidet wurde. Dieser wurde über das Feuer auf dem Platz gehalten damit die Luft darin sich erhitzte und dann wurde ein Stück in Harz und Öl getränktes Tuch am unteren Ende der Drahtstruktur befestigt und angezündet. Wenn die Kirchenuhr Mitternacht schlug liessen die Dorfbewohner den Ballon fliegen. Manchmal reiste dieser bis nach Arganil oder Lousã. Leider wurde in den 1960-ern diese Tradition auf Grund des Feuerrisikos verboten.
Am Tage von São Pedro (29. Juni) wurde das Wasser des Flusses als rein und heilig betrachtet. Und so war es Brauch, dass an diesem Tage die Frauen vor Sonnenaufgang aufstanden und sich zum Fluss begaben um dort badend ihre Seelen und Körper zu reinigen nur mit ihren Unterkleidern am Körper. Natürlich wussten die Männer davon und einige verstecketen sich und schauten den Frauen beim Baden zu! Am Abend tanzten alle bis in die späte Nacht hinein um den Holzpfosten des Pavillions, der noch vom Fest des São Joãos stand, welches vor 5 Tagen stattgefunden hatte.
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