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Vila Nova do Ceira ist geografisch gesehen die kleinste Freguesia im Concelho von Góis, aber die am dichtesten bevölkerte. Sie profitiert vom ausserordentlich fruchtbaren Land im Tal des Flusses Ceira, der unterhalb des Städtchens Góis sich verbreitert, wo er sich schliesslich in Várzea Grande mit dem Fluss Sótão vereinigt.
Die Geologie der Region zeigt die gewaltigen Umwälzungen durch die Gletscheraktivität vor Millionen von Jahren – An manchen Orten kann man erkennen, wie der Fels durch den immensen Druck der Gletscher gefaltet wurde und das Gebiet ist voll von runden Gesteinsbrocken und kanonenkugelgrossen Steinen, welche für den Bau der lokalen Gebäude verwendet wurden.
Die Landschaft besteht aus sanft abfallenden Feldern entlang der Flüsse wo immer noch Mais, Weintrauben und Oliven angepflanzt werden und prächtig gedeihen. Die Seiten des Tales steigen steil hinauf und auf ihnen wächst eine Mischung aus Pinien – und Eukalyptusbäumen, welche für die Forstwirtschaft angepflanzt wurden. Im Südosten blicken viele Dörfer in Richtung des spektakulären Gipfels der Peneda de Góis, und gegen Westen hinunter zum Cerro da Candosa – der beeindruckenden engen Felsschlucht, die der Fluss Sotão durch das Gestein frass.
Im 17-ten Jahrhundert war der Name der Freguesia São Pedro da Várzea. Später wechselte er in Várzea de Góis und 1927 fragte die 'Comissão dos Moradores' (Einwohnerkommission) nach einem erneuten Namenswechsel in Vila Nova do Ceira wie die Freguesia auch heute noch heisst.
(Der Name 'Várzea' bedeutet 'Aue, Flur' und São Pedro ist Sankt Peter, der Schutzheilige des Hauptortes der Freguesia, Várzea Grande). Der Name Vila Nova do Ceira wird oftmals auch im Bezug auf das Dorf Várzea Grande selbst verwendet. Várzea Grande ist ein wunderschönes Dorf mit einem starken Identitätssinn und man kann es durchaus als Herz der Freguesia bezeichnen.
Die kleinen Dörfer von Vila Nova do Ceira sind immer noch gut bevölkert und haben ihre lebendigen Gemeinschaften erhalten. Auch heute noch ist es möglich Esel und Ochsen auf den Strassen oder bei der Arbeit auf den Feldern anzutreffen, ihre Karren beladen mit landwirtschaftlichen Gütern und die landwirtschaftliche Tätigkeit ist auch heute noch die Stütze dieser Region.
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Die Beziehung zwischen den Leuten und dem Land war stets sehr ausgeprägt in diesem Teil des Landes und dies wiederspiegelt sich in den Bräuchen und Traditionen, die noch bis vor kurzem abgehalten wurden und immer noch in lebendiger Erinnerung sind und zum Teil bis heute überlebt haben. Zum Beispiel, am Tag des 3. Mai, dem Tag der 'Bela Cruz' (schönes Kreuz) pflegten die Leute noch vor Sonnenaufgang aus Schilfrohr Kreuze zu basteln, die sie mit Wiesenblumen schmückten. Auf jedem Landstück wurde ein Kreuz platziert als ein Geschenk an Mutter Natur damit diese für eine gute Ernte sorgen würde. Ein anderer Brauch war dieser : Wenn ein junger Olivenbaum zum ersten Mal Früchte trug, durften diese nur von einer Jungfrau gepflückt werden - dies sollte angeblich dafür sorgen, dass der Baum gesund wuchs und immer fruchtbar blieb. Der Mann, der uns von diesen Bräuchen erzählte, erinnert sich daran wie sein Grossvater jeweils noch vor dem Morgengrauen aufstand um auf seinen Feldern zu arbeiten – wenn die Sonne aufging lüftete er seinen Hut, schaute in Richtung Sonne und sprach ein Gebet.
Die Leute standen sich sehr nahe und uns wurde während unserer Nachforschungen immer und immer wieder erzählt wie jeder in dieser Region dem anderen half. Für die Dorfbewohner war es üblich gemeinsam auf den Feldern zu arbeiten 'einen Tag für diesen und einen Tag für den anderen'. Nach allem was wir gehört haben wurde stets gescherzt und gelacht und es herrschte die berühmte portugiesische Geselligkeit, welche stets das gemeinsame Essen und Trinken beinhaltete obwohl das Leben früher ausserordentlich hart war.
Tanzveranstaltungen waren in der ganzen Region äusserst populär und wurden regelmässig in Privathäusern aber auch auf den jährlichen Festen abgehalten. Die Umgebung von Várzea Grande ist besonders bekannt für die Anwesenheit eines talentierten blinden Akkordeonspielers von Sacões.Die jüngere Schwester dieses bekannten Musikers, Maria Adelina, lebt immer noch in der Freguesia von Vila Nova do Ceira, und war so nett mit uns ihre Geschichten und Kindheitserinnerungen von ihrer Familie und ihrem Dorf zu teilen. Dies können Sie hier nachlesen.
Während der ersten Hälfte des 20-ten Jahrhunderts zogen viele Männer alle Jahre saisonal nach Alentejo in den Süden von Portugal um dort zu jäten und bei der Roggenernte zu arbeiten. Diese Männer wurden 'Ratinhos' (kleine Ratten oder Mäuse) genannt. Wenn sie zurückkehrten, brachten sie jeweils ein bisschen von der Kultur des Alentejos mit – ihre Volkslieder, Bräuche und Essgewohnheiten wie auch sie etwas von ihrer Kultur im Alentejo zurückliessen. Dies ist der Grund dafür warum es möglich ist dasselbe Volkslied in Várzea Grande wie auch in einem Dorf im Alentejo zu hören.
Eines der bedeutesten Ereignisse des Jahres in dieser Region war die Maisernte, bei welcher jeder des Dorfes sich versammelte um gemeinsam den Mais zu putzen. Früher spielten sie dabei ein beliebtes Spiel, das als 'Chí' bekannt war und bei welchem jeder, der einen dunklen Kolben fand – je nach Gebiet als 'Espiga Rainha' (Königinnenkolben), 'Espiga Rei' (Königskolben) oder 'Espiga Mulata' (Mulattenkolben) bezeichnet - alle Anwesenden der Gruppe umarmen musste.
Ein anderer beliebter Brauch war in vielen Dörfern das 'Cantar as Pulhas' (Singen der Schimpfrede), das zur Karnevalszeit ausgetragen wurde. Jemand aus dem Dorf versteckte sich nachts und schrie lauthals mit Hilfe eines improvisierten Megafons allen Klatsch und Tratsch, Gerüchte und Geheimnisse des Dorfes heraus, die sich während des vergangenen Jahres abgespielt hatten. Dies mag möglicherweise von der mittelalterlichen Tradition der 'Cantigas de escárnio e maldizer' (Spott- und Lästerlieder) stammen, in welchen Satire benutzt wurde als eine Form des sozialen Ausdrucks und zur Unterhaltung.
Die Innigkeit, Nähe und Lebhaftigkeit, die durch Bräuche wie diese und vielen anderen aufgezeigt werden, sind immer noch offensichtlich in den Gemeinden und Gemeinschaften dieser Region und es gibt viele Gelegenheiten das ganze Jahr über bei welchen die Leute der Dörfer zusammenkommen um gemeinsam die Geselligkeit zu geniesssen und die Freude zu teilen.
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