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29. Juli
Wie schnell die Zeit in den Sommerferien doch vergeht – zu meiner Schande stelle ich fest, dass es schon eine LANGE Zeit her ist seit meinem letzten Blog–Eintrag und nun kämpfe ich darum mich zu erinnern, was wir seitdem alles gemacht haben. Die Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach. Wir haben uns vergnügt, das Leben etwas leichter angehen lassen und Sonne getankt, was sicherlich das einzig Richtige ist im Sommer! Der Garten ist eine wachsende Freude und nun beginnen wir die Belohnung zu ernten nach all dem Räumen und Umstechen und Düngen das früher diesen Jahres stattfand. Zu unserer Freude haben wir Auberginen und Paprikas, denen man beim Wachsen förmlich zusehen kann, Unmengen von Kürbissen, Zucchinis und Gurken, verschiedene Tomatensorten, und was fast schon zur Übertreibung neigt, einige wundervoll hochragende Sonnenblumen. Da wir in Grossbritannien die Sonnenblumen jeweils nur einzeln anpflanzten und stolz darauf waren wenn sie überhapt das spindeldürre Stadium überlebten und sie schliesslich eine ausgewachsene  Grösse erreichten, bin ich nun überglücklich jede Menge davon im Garten zu haben, jede mit der anderen wetteifernd, welche nun die höchstgewachsenste und dicksstieligste ist. Falls eine Blume jeweils als Ausdruck von reiner Lebensfreude stehen sollte, sollte dies die Sonnenblume sein! Unsere grauen Hirnzellen haben wir jedoch noch nicht ganz ausgeschaltet da wir dabei sind die Präsenz der Tempelritter in der Region zu untersuchen und erforschen und dabei haben wir einige sehr interessante Tatsachen herausgefunden. Dies alles begann grösstenteils mit unserem Besuch in der Kirche von Folgosa und an dieser Stelle muss ich eine Korrektur an meinem letzten Blog-Eintrag anbringen. Wir sind uns nun sicher, dass die Gestalten in den Flammen auf den Wandgemälden nicht verdammte Seelen in der Hölle sind, sondern eine Darstellung der Verbrennung der Tempelritter im frühen 14-ten Jahrhundert – etwas, was in Portugal nicht stattfand, sich jedoch quer durch Spanien und Frankreich ereignete. Die Symbologie in den Wandmalereien weist in der Tat sehr stark darauf hin, dass die Kirche möglicherweise von den Tempelrittern erbaut wurde und dies wirft mehr Fragen auf, welche Verbindung der Orden mit der Region Góis gehabt haben mag – schauen Sie im Geschichtsteil unserer Website nach was für Antworten wir herausfinden.

18.Juli
Gestern war ein Tag ganz im Zeichen der Geschichte, da wir mit unserem Freund, dem Geschichstsprofessor  von Góis, João Simões, unterwegs waren um einige besondere noch nicht erfasste Orte von geschichtlichem Interesse zu besuchen. Unser erstes Ziel war das Dorf Roda Cimeira wo das unerklärliche Phänomen von Römischen Säulen existiert. Diese Säulen aus Granit, die mit fast ganzer Gewissheit echten Römischen Ursprungs sind, erscheinen ziemlich zufällig in mehreren Gebäuden des Dorfes integriert. Einige dieser Gebäude stammen aus dem 18-ten Jahrhundert aber niemand weiss den Grund und es gibt keine Aufzeichnungen darüber warum diese Säulen in diesen Ort kamen.  Die Erklärung der örtlichen Bewohner lautet, dass diese 'maurisch' seien (was im örtlichen Sprachgebrauch etwa soviel bedeutet wie dass sie einfach 'alt' sind). Unsere Hypothese liegt darin, dass diese ein Hinweis auf eine einstige Römische Villa in der nächsten Nachbarschaft sind, und dass nachfolgende Portugiesen beim Hausbau, auf pragmatische Art, die Materialien, die nützlich schienen, wiederverwendeten und in ihre eigene Gebäude integrierten. Der Granit, aus dem die Säulen bestehen, wurde von mindestens 30 Km Entfernung eingeführt, was uns daraus schliessen lässt, dass das Gebäude, für welches diese bestimmt waren, einen hohen Prestigewert gehabt haben muss. In allen anderen Beziehungen ist Roda Cimeira wie alle anderen Dörfer in der Umgebung – aber die anderen Ortschaften haben keine Römischen Säulen.
Während wir unsere Zeit im Dorf verbrachten (welches zufälligerweise über einen tollen Badeplatz verfügt, der am Bach Sinhel angelegt wurde) trafen wir einen 82-jährigen Dorfbewohner, der sowohl für die Deutschen als auch die Englischen  Firmen in den Gold- und Wolframminen gearbeitet hatte. Angeblicherweise dachten sich einige Minenarbeiter (welche nicht für die Firmen arbeiteten sondern nur bezahlt wurden für das, was sie schürften) viele einfallsreiche Wege aus die Goldnuggets an den Aufsehern vorbeizuschmuggeln, einschliesslich in ihrem Mund, in ihren Schuhen und im Suppentopf, den sie für das Mittagessen mitbrachten und dessen Suppe sie aber in Wirklichkeit nicht assen!
Als Nächstes machten wir einen wiederholten Besuch im wunderschön gelegenen Dorf Folgosa, das hoch oben auf einem Grat über dem Ceiratal liegt. Folgosa war einst ein Dorf von Bedeutung, da es direkt an einer alten Handelsstrasse, welche das Ceiratal aufwarts führt, liegt und welche, wie man annimmt, bis in dieBronzezeit zurückgeht. Heute ist es ein ruhiger Ort und niemand würde je vermuten was für ein Schatz sich in der kleinen Kapelle auf dem Hügel verbirgt. Wenn Sie die Türe öffnen und hineintreten werden Sie von einer grossartigen Sammlung von mittelalterlichen Wand- und Deckenmalereien begrüsst. Die Heiligen Mattheus, Markus, Lukas und Johannes sind auf den Malereien abgebildet und sehen so frisch aus als wären sie gerade eben gemalt worden. Auf beiden Seiten des Altars züngeln die Flammen des Höllenfeuers um einige unglückliche verlorene Seelen  unter zwei Darstellungen der heiligen Maria die beide etwas in den Händen halten, das aussieht wie Palmwedel. Eine der Figuren hält etwas, was meiner Meinung nach ausieht wie in Instrument um Zähne zu ziehen komplett mit Zahn – die Bedeutung dieses Symbols kann ich leider auch nicht erklären! Wir hoffen, dass zukünftig mehr Aufmerksamkeit dieser wundervollen kleinen Kirche gewidmet wird, und dass Folgosa mehr Anerkennung erhält für die historische Bedeutung, die es hat.Wir vermuten, dass es noch viel mehr in dieser Umgebung zu entdecken gibt.

Auf unserer Heimfahrt, nach Sonnenuntergang, kamen wir in den Genuss den Vollmond hinter den Windturbinen über Mestras zu betrachten – ein spektakulärer Abschluss eines erfüllten Tages.

14.Juli
Gestern Abend wurden wir Zeuge eines wahren Hochgenusses auf dem Lago do Pombal in Góis – Als Finale des alljährlich stattfindenden GóisArte Festivals fand eine Freilichtvorstellung der Komikoper "As Damas Trocadas" ("die ausgewechselten Damen") statt. Der 'Largo' wurde vor kurzem renoviert (und sollte richtigerweise nun 'Largo Francisco Inácio Dias Nogueira' genannt werden – aber Largo do Pombal kann man sich einfach besser merken!) und verwandelte sich durch die theatralische Beleuchtung in eine Bühne, atmosphärisch durch viele flackernde Öllampen dekoriert, welche rings um den Platz herum angebracht wurden. Da wir nichts über die Oper oder die Darsteller wussten, waren wir nicht sicher was wir erwarten sollten, aber vom ersten Takt der Klaviermusik an wussten wir, dass es etwas Gutes sein würde, und die meiste Zeit der zwei Stunden wurden wir von einer exzellenten Vorführung einer äusserst professionellen Gruppe unterhalten. Da wir aus Grossbritannien kommen sind wir es nicht gewohnt irgendeiner Vostellung beizuwohnen, die erst um 22:45 beginnt und erst weit nach Mitternacht endet aber in Portugal ist dies ziemlich normal und das Publikum bestand aus Leuten allen Alters. Glücklicherweise war es eine trockene und windstille, wenn auch etwas kühle Nacht und ein zunehmender Mond hing über dem Platz um den Effekt noch zu unterstreichen. Es liegt etwas ganz besonderes an Vostellungen, die draussen stattfinden. Es ist wundervoll, dass es dieses GóisArte Festival gibt – dies ist nun das dritte mal, dass wir daran teilnehmen und das Programm ist sehr abwechslungsreich und oft überraschend.
Am Samstag hörten wir das 'Orquestra Típica Albicastrense' unten am Fluss spielen – eine lebhafte und bewegende  Auswahl von Volksliedern über die Region, begleitet von Gitarren und Mandolinen. Andere Auftritte während des Wochenendes beinhalteten Jazz, Fado, ein Klarinettenquartett und Ballet – es ist nur schade dass wir es nicht schafften alles zu sehen was angeboten wurde!
Um mehr Fotos von 'Damas Trocadas' zu sehen klicken Sie bitte hier.

10. Juni
Dies ist die Saison für Besucher, sowohl persönlicher Art als auch für Leute die Ferien machen. Der Reiz dieser Umgebung lockt in dieser Jahreszeit viele Leute aus den Städten heraus – viele kehren in die sich in Familienbesitz befindenden Häuser in die Dörfer zurück, wo sie ihre Ferien verbringen. Während der Monate Juli und August finden in vielen Dörfern zu Ehren ihrer Schutzheiligen Feste statt, und die Orte sind mit farbenfrohen Dekorationen behängt um sich für den Tanz und die Festigkeiten zu rüsten. Die örtliche 'Festa' ist oft der Höhepunkt des Jahres und bringt Familienmitglieder, die in alle Himmelsrichtungen verstreut sind zusammen um gemeinsam das traditionelle Leben zu feiern.
Für uns Ausländer 'Estrangeiros' ist es sowohl zauberhaft als auch befriedigend Zeuge des Fortdauerns einer solcher Tradition zu sein und es ist jeweils ein Privileg in den Festigkeiten miteingeschlossen zu sein. Es ist beruhigend zu wissen, dass de Werte der Gemeinschaft anhalten trotz des Eindringens und aller Ablenkung durch die Welt der Technologie.
Vor kurzem hatten wir selbst Besuch und es ist immer wieder interessant unsere Umgebung von neuem durch 'frische' Augen zu sehen – wenn die Dinge beginnen uns alltäglich vorzukommen, neigen wir dazu, sie als selbstverständlich anzunehmen. Wir sassen draussen in der Gartenterrasse eines Restaurants in Góis, lange nachdem die Sonne untergegangen war, und sahen zu, wie kleine Kinder auf der Strasse spielten. Wir wurden daran erinnert, dass heutzutage in so vielen Orten eine solche Sicherheit nicht mehr existiert. Hier können wir immer noch die gewaltige Schönheit der Natur, reine Luft und Wasser geniessen und können unseren Kindern die Freiheit geben ausgelassen herumzutollen, auch wenn die moderne Kommunikation auf der Türschwelle steht. Vermehrt finden Leute aus rauheren Umgebungen, auf der Suche nach dieser kostbaren Lebensqualitat, ihren Weg hierhin und werden warm von der Gemeinschaft empfangen und angenommen, die jahrzehnte lang sich abmühte und mit der nachfolgenden Emigration Erfahrung machte. Die Herausforderung besteht darin unseren Beitrag zu leisten um hier auf eine positive Art und Weise zu leben, die Qualitäten, die dieses Gebiet so einzigartig machen, zu erhalten und gleichzeitig neue Wege zum Wachstum und Fortschritt anzuzeigen. Es liegt an uns allen, Einheimischen wie Neuankömmlingen, sicherzustellen, dass diese einzigartige Region ihre Seele bewahrt, während sie sich gleichzeitig entwickelt und erschliesst, so dass sie weiterhin all diese, die hierherkommen erfrischt und dazu inspiriert entweder hier zu bleiben oder einfach nur die 'Batterien' aufzuladen.

  
     
   


 
 
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  Updated 5 November, 2009
 
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