| |
Life in Góis Nov 2008
Life in Góis Oktober 2008
Life in Góis Sept 2008
Life in Gois August 2008
Life in Góis Juli 2008
Life in Góis Juni 2008
Life in Góis Mai 2008










|

30. Mai
Heute habe ich zusammen mit einer Freundin die Petroglyphen von Pedra Letreira und Mestras besucht. Für all diese, die diesen Ausdruck nicht kennen, sei gesagt; Petroglyphen sind uralte Zeichen und Symbole, welche in eine Steinoberfläche eingeprägt wurden. Angeblich sollen viele Beispiele dieser alten Kunstform in der Region existieren, diese sind jedoch nicht immer leicht zu finden und selbst wenn Sie sie einmal gefunden haben heisst das noch lange nicht, dass Sie sie auch ein zweites Mal wiederfinden! Glücklicherweise hatten wir keine Schwierigkeiten die Petroglyphen von Pedra Letreira zu finden. Der Regen beruhigte sich als wir die Stätte erreichten und ringsherum konnten wir die Wolken sehen wie sie dampfend von den Hügeln wichen und sich vor uns das Tal öffnete. Pedra Letreira ist ein Steinplateau, das von einer Felsformation am Hang herausragt. Ein wunderschönes Fleckchen Erde, das eine ungeheure Kraft ausstrahlt und uns auffordert einen Blick auf die atemberaubende Aussicht gegen Westen zu werfen. Die eingravierten Symbole an dieser Stätte sind klar ersichtlich und zahlreich und schon vor tausenden von Jahren haben hier Leute vieleStunden verbracht und besuchten diesen Ort immer wieder. Wenn man mit den Fingern über die Rillen, die vor einer solch entfernten Zeit entstanden sind, fährt, fühlt man eine tiefe Ehrfurcht, zur selben Zeit aber ist es verführerisch dies zu tun - es ist unmöglich nicht WISSEN zu wollen was diese Zeichen bedeuten. Aus einigen Werken, die ich durch Marija Gimbutas über die alte Göttinenkultur von Europa* kennengelernt habe, ziehe ich meine eigenen Schlüsse, vielleicht aber sollte ich froh sein es nie mit ganzer Sicherheit zu wissen.
Als es darum ging die Petroglyphen von Mestras zu finden war es nicht ganz so einfach. Da ich letzten September da gewesen war, dachte ich, es sei relativ einfach diese wiederzufinden, aber einmal oben auf dem Bergkamm unter den surrenden Blättern der Windturbinen angekommen, schien es schier unmöglich zu unterscheiden, welche der herausstehenden Felsformationen nun die mysteriösen Symbole trägt. Wir klommen bergauf und bergab, stolperten über Gestrüpp und Grasbüschel und legten ab und zu eine kleine Pause ein um uns an der gewaltigen Aussicht um uns herum zu ergötzen – man fühlt sich hier wie auf dem Dach der Welt – und wir waren kurz davor aufzugeben, als wir schliesslich fanden, nach was wir gesucht hatten. Die Symbole erschienen mir viel weniger scharf und klar als das letzte Mal als ich sie in den geneigten Strahlen der Abendsonne gesehen hatte; sie waren jedoch unleugbar da – die im Stein eingravierten viergeteilten Kreise. So nahmen wir uns die Zeit die Wolkengebilde, die sich über den Hügeln verformten, zu bewundern und stellten uns vor, wie es für diese Leute gewesen sein mag lange vor uns hier zu sitzen und ihre Zeichen zu hinterlassen.
Später, als wir der Seite entlang des Grats vorbeifuhren brach der Himmel auf und liess die Sonne hervorblitzen und wir wurden Zeugen eines glitzernden und leuchtenden Regenbogens, der sich über die Hügel spannte. Während ich diesen Bericht schrieb, sah ich, wie das Tal sich unter der untergehenden Sonne mit Nebel füllte – ziemlich unheimlich, aber sehr athmosphärisch. Dies ist nicht das Wetter das wir Ende Mai erwartet hatten, aber es scheint wie auch sonst überall, Wettervorhersagen sind auch in Zentralportugal ein Ding der Vergangenheit.
*Marija Gimbutas – 'The Language of the Goddess'(Thames and Hudson) 1989
27.Mai
Nur ein paar Gehminuten von unserem Haus entfernt liegt eine Waldlichtung mit Terrassen – ein magischer Platz, wo liebliche Kastanienbäume und Olivenbäume wachsen, und das einzige was man hören kann, ist das Singen der Vögel und das Summen der Insekten. Als ich heute unter dem Olivenbaum sass, liess ich meine Gedanken schweifen und ertappte mich dabei darüber zu meditieren, warum wir eigentlich hier in Portugal sind und was es ist das uns motiviert hier zu leben und zu arbeiten. Als ich über diese Dinge nachdachte, starrte ich auf erstaunliche Flechten und Moose, welche auf der Rinde des Olivenbaumes wuchsen, einige hatte ich noch nie zuvor gesehen. Ich weiss, dass Flechten ein Anzeichen für die Luftreinheit sind, und so müssen solche komplizierten und verschiedenen Arten wie diese wohl darauf hinweisen und uns darauf Aufmerksam machen, dass dies ein seltener und unverschmutzter Winkel von Westeuropa ist.
Während Richard und Anna draussen in den Dörfern sind, Fotos schiessen und Erzählungen, Geschichten und Geschichte dokumentieren, welche andererseits mit dieser Generation sterben würden, treffen sie auf Gemeinden und Gemeinschaften in Veränderung - die alte Lebensart ist am Verschwinden, aber mit der Infrastruktur für die Kommunikation des 21-ten Jahrhunderts an Ort und Stelle, warten sie nun auf kommende Leute, die ihre Visionen, Optimismus und Energie in die Zukunft mitbringen. Die Menschen hier haben so viel zu bieten, mit ihrem Wissen über das Land und dessen Bewirtschaftung, das sie so wirksam und eindrucksvoll über zahllose Generationen hinweg bestellt haben. Aber damit ihre Dörfer überleben und erneut aufblühen können, brauchen sie Leute, die zuziehen und in diesen leben, ihre Fertigkeiten und Träume mit sich bringen und hier ihr Leben aufbauen und ihre Kinder grossziehen.
Wenn wir auf irgendeine Art und Weise ein Instrument sein können dieses schöne und fruchtbare Land, das Volk, welches hier lebte und lebt und sich seit Jahrhunderten um es kümmert und die Leidenschaft und Vision der zuziehenden Leute, welche sich um einen Weg nach vorne bemühen, zusammen zu bringen, dann kann ich erwägen, dass die Arbeit die Mühe wert war und dankbar sein die Gelegenheit gehabt zu haben ein Teil dieses Projekts gewesen zu sein. Ich glaube ganz ehrlich, dass dieses Gebiet ein Schatz ist, der nur darauf wartet entdeckt zu werden – ein Land, dass Leute braucht die sich permanent hier niederlassen, dieses bewirtschaften und sich um es kümmern, und helfen die Art von selbsttragenden verantwortungsvollen und umweltgerechten Gemeinden und Gemeinschaften zu schaffen, die unser Planet so dringend braucht, nun wo wir uns dem Ende der Ära der fossilen Brennstoffe nähern und Veränderungen unwiderruflich auf der Hand liegen.
23. Mai
Der Grund für die lange Zeitspanne zwischen meinen Einträgen liegt darin, dass ich für ein paar Tage in England war. Ich hatte erwartet, dass ich einen grossen Temperaturschock erleiden würde, aber es war in Wirklichkeit wärmer und sonniger bei meiner Ankunft in Liverpool als es bei meinem Abflug in Porto war! Seit meiner Rückkehr haben wir die Erfahrung mit einigen eindrucksvollen heftigen Regengüssen gemacht und mindestens ein Dorfbewohner wurde bereits gehört wie er sich auf Grund des schlechten Wetters Sorgen um das Schicksal der Olivenbäume macht, die jetzt alle zu blühen beginnen. Es ist äusserst ungewöhnlich, dass im Monat Mai die Temperaturen so tief sind, (um 17ºC herum) und das Wetter so nass ist – das letzte mal war es so, wie es scheint, vor 11 Jahren. Aber der Sommer kann nicht weit sein, da ich heute bemerkt habe, dass die Bar am Fluss in Góis sich im Aufbau befindet – ein sicheres Zeichen dafür, dass sonnigere Tage vor der Türe stehen.
Gestern war der Katholische Feiertag Fronleichnam und um 4 Uhr nachmittags herum sah man die Leute zu den örtlichen Kirchen strömen. In Vila Nova do Ceira wurde ein Blumenteppich durch das Dorf 'ausgelegt' (Tapete de Flores) – ein schmaler Weg von Sand, eingerahmt von grünen Blättern auf beiden Seiten und einem Zigzag – Muster von Rosenblüten und Blättern in der Mitte. Dies war sicherlich eine grosse Arbeit und Mühe und wurde mit viel Liebe und Hingabe ausgeführt, da der Weg sich über mehrere hundert Meter von der Kirche aus entlang der Strassen durch das Dorf windet. Um 5 Uhr nachmittags tauchte eine Prozession aus der Kirche kommend, auf, angeführt von drei einen Baldachin tragenden Männern. Der Mann in der Mitte betrat den mit Rosen bestreuten Pfad und die Gemeinde folgte hinter ihm her. Obgleich ich dachte ich sei zufälligerweise in eine alte Tradition reingetrampelt, wurde ich eines Besseren belehrt und es wurde mir gesagt, dass dieser Blumenteppich in der Tat erst seit den letzten fünf Jahren in Vila Nova do Ceira ausgelegt würde – anscheinend ist dies eine grosse Tradition in Brasilien!
Während meiner Abwesenheit letzte Woche, fand die jährliche Gedenkzeremonie zu Ehren der Soldaten, die in den 1960-ern in den Aufständen in Afrika kämpften, statt: Die "Combatentes do Ultramar". Sechzehn Männer des Ortes fielen in den Kämpfen und alle Jahre kommen die Überlebenden zusammen um sich zu versammeln und die Kameraden zu ehren, die ihr Leben verloren. Die Gedenkskulptur in der Nähe der Schule in Góis trägt nun die Namen der Kriegsgefallenen.
11. Mai
Heute war ein wichtiger Tag im Kalender unseres Dorfes – der Ausführungsort eines "Jogo da Malha" – Turniers, (die Spielregeln sind ähnlich denen vom Boccia, es wird jedoch nicht auf Kugeln gezielt, sondern auf Holzstöckchen, und gezielt und geworfen wird mit einer Metallscheibe mit einem Loch in der Mitte) mit vorangehendem " Gemeinschaftsessen" im Gemeindehaus. Da wir mehrere Einladungen erhalten hatten am Mittagessen teilzunehmen, machten wir uns begeistert auf den Weg, obwohl unser Portugiesischer Wortschatz immer noch stark eingeschränkt ist und wir gewöhnlich nicht viel zu Mittag essen. Trotz dieser Einschränkungen wurden wir herzlich in Empfang genommen und entlang eines von mehreren langen aufgebockten Tischen in der 'Casa do Convívio' gebeten uns zu setzen. DieTische waren liebevoll mit Früchten, Brot und Wein und grossen Porzellanschüsseln mit Suppe als Vorspeise eingedeckt. Wir wurden dann aufgefordert die traditionelle wohlriechende Hausmannskost zu probieren und liessen es uns schmecken: Die berühmte Suppe "Caldo Verde", dann Fleisch mit Bohnen und Reis, gefolgt von Milchreis, frischen Früchten und Kuchen. All dies wurde mit reichlich Wein heruntergespült und schlussendlich mit einem starken schwarzen Kaffee beendet.
Kaum mehr in der Lage uns zu bewegen nach all dem vielen Essen, schafften wir es doch noch uns auf den Hügel zu schleppen, wo die Männer des Dorfes und von Ausserhalb bereits erstaunlich aktiv waren und sich für das Turnier vorbereiteten und aufwärmten. Für diese, die mit dem Spiel nicht vertraut sind, hier eine kurze Erklärung: "Jogo da Malha" ist ein traditionelles und sehr beliebtes Portugiesisches Spiel, bei welchem man eine schwere Metallscheibe (Malha) von etwa 10,5 cm gegen ein Holzstöckchen etwa 20 m entfernt, schleudert. Dies ist ein reiner Männerzeitvertreib, und wird als eine Darstellung der Männlichkeit betrachtet und so kann man jeden Sonntagnachmittag das Männervolk unseres Dorfes auf dem Festareal üben sehen. Dies wird natürlich sehr ernst genommen und der Wettbewerb ist hart. Wir waren sehr beeindruckt von der Genauigkeit der Würfe und auch äusserst dankbar darüber, da eine solche Scheibe 600 gr wiegt und doch mit einiger Kraft geworfen wird! Richard wurde angefragt die Fotos des Spielverlaufes zu schiessen und Sie können hier klicken um eine Auswahl dieser zu sehen.
Am späteren Nachmittag gingen wir zurück hinunter in die Casa do Convívio mit einigen Ausdrucken von der Pokalübergabe und einer CD von den Höhepunkten – Bevor wir uns versehen konnten, sassen wir an einer wiederholten Ausgabe des Mittagessens, in sehr angenehmer Gesellschaft, und mit noch ein bisschen mehr Wein! Um uns herum waren die Frauen des Dorfes dabei den Abwasch und das Aufräumen zu beenden – es wahr ganz klar eine grosse Anstrengung von ihrer Seite und harte Arbeit für die Verpflegung von so vielen Leuten zu sorgen und wir wünschten unsere Sprachkenntnisse hätten uns erlaubt angemessen unseren Dank und unsere Anerkennung für all dies auszudrücken. Um das Laptop herum versammelt, schienen die Teilnehmer des Jogo de Malha – Turniers sich zu amüsieren, einander in verschiedenen interessanten Körperhaltungen und Stellungen während des nachmittäglichen Ereignisses zu sehen!
10. Mai
Heute Morgen wachten wir mit einem unglaublichen Vogelgetzwitscher auf – einige der Pfeifmelodien konnten wir unterscheiden, wie z.B. die der Amseln und Kohlmeisen oder das Gurren der Turteltaube, das exotischere Trällern jedoch stammt von einer Vogelart, die wir noch nicht identifiziert haben. Das ist wirklich eine angenehme Art und Weise den Tag zu beginnen, einfach bei offenem Fenster im Bett zu liegen und den Chören zu lauschen.
Heute sind meine Töchter und ich gemeinsam mit Sandra, die in Góis Reitferien anbietet, Ausreiten gegangen. Es ist eine neue Erfahrung für die Mädchen den Paddock zu verlassen und in die Natur rauszugehen, und sie entdecken nun das Vergnügen die Welt vom Rücken eines Pferdes aus zu sehen, das dich Wege und Pfade auf und ab führt, die du sonst möglicherweise nicht entdecken würdest und sich somit eine ganz neue Perspektive auf die Landschaft und die Umgebung eröffnet. Wir kamen an einem verlassenen Weiler vorbei, der immer noch umgeben von Obstbäumen ist, die vor etwa 10 Jahren angepflanzt wurden. Leider haben die vordringenden Eukalyptusbäume mit ihren langen Wurzeln die Wasserversorgung des Dorfes angezapft und diese trockengelegt und so sahen die Einwohner sich gezwungen den Ort zu verlassen. Es wachsen jedoch immer noch Orangen und diese boten uns eine willkommene Erfrischung, als wir eine kleine Pause einlegten und die Pferde etwas grasen liessen.
Wo auch immer Sie zur Zeit hingehen, liegt ein wundervolles Aroma von blühenden Kräutern und Blumen in der Luft. Hinter einer Kurve auf dem Reitweg wurden wir vom Duft der Rosen, der von Büschen mit kleinen wilden Blumen entlang der Strasse ausströmte, regelrecht überfallen. Wilder Französicher Lavendel blüht am Rande und der Fenchel wächst gegen den Himmel – ein Duft von wilder Minze verbreitet sich, wenn diese von den Hufen zertreten wird.
Auch im Städtchen und in den Dörfern schwebt der Rosenduft in der Luft. Wo immer Sie auch gehen, blühen Rosen im Überfluss. In diesen Tagen brauche ich länger auf meinem Weg die Strasse hinunter, da ich mich gezwungen fühle anzuhalten um all diese Gerüche, Eindrücke und Freuden der Natur um mich herum in mich aufzusaugen – ich gönne mir den Luxus innezuhalten und ein bisschen meiner Lebenszeit zu nehmen um an den Rosen zu riechen!
Eine erfreuliche Begebenheit ereignete sich in einem Café vor ein paar Tagen, als eine ältere Frau sich an den Tisch begab, wo meine jüngste Tochter und ich sassen und ihr einen Zweig von kleinen pinkfarbenen Rosen aushändigte, sie auf die Stirn küsste und ihr sagte sie sei "linda" (hübsch). Dies ist das tägliche Leben in Zentralportugal.
6. Mai
Heute begaben wir uns auf die Suche nach einem 'verlorenen' Dorf. Der Name erscheint nach wie vor auf der Liste der Dörfer der Region und es hat sogar eine eigene Postleitzahl, aber niemand, den wir danach gefragt haben, schien je davon gehört zu haben! Schliesslich erinnerte sich jemand an den Ort, der in der Nähe liegt, und dort konnte uns der Präsident des Vereins für Verbesserungen und Entwicklung die Wegbeschreibung geben (obgleich er schon, seitdem er ein kleiner Junge war, nicht mehr dort gewesen war). Es stellte sich heraus, dass das Dorf schon seit mehr oder weniger 20 Jahren verlassen wurde, obgleich Forstwege den Zugang hinunter offenhalten. Nach einem ersten Versuch, bei dem wir es nicht fanden, begannen wir langsam zu glauben, es sei einer imaginären Fantasie entsprungen und gar nicht wirklich existent. Als wir den Weg hinunterwanderten, sprang vor uns ein Hirsch vorbei, aber sonst war alles sehr ruhig und friedlich. Wir schafften es mit ein bisschen Klettern und Steigen bis hinunter zum Fluss, wo wir einen Otter störten, der sich daraufhin ins Wasser stürzte und verschwand und nur eine Pfotenspur ihm Schlamm zurückliess. An diesem Punkt setzten Anna und ich uns und genossen den Ausblick und liessen Richard mit seiner Fotokamera weiter flussabwärts ziehen um die alte Mühle zu suchen und zu finden. Eine halbe Stunde später tauchte er wieder verschwitzt und zerkratzt auf, nachdem er siegreich seinen Weg durch das Brombeerdickicht geschlagen hatte um seinen Preis zu erbeuten! Bis heute hat er schon Bäume erklungen und ist in Fischerstiefeln bis zur Brust in kaltem Wasser mit starker Strömung flussabwärts gewatet, stets vom Gedanken getrieben das gewünschte Foto zu schiessen, aber heute focht er seinen ersten Kampf gegen die Vegetation. Er konnte sich daraufhin im Fluss abkühlen und seinen Durst löschen, da das Wasser direkt von den Bergen kommend an diesem Punkt so rein ist, dass man es trinken kann. Als wir uns auf den Rückweg hügelaufwärts machten, kamen wir an einem grossen eingestürzten Haus vorbei, welches so überwuchert von Efeu war, dass wir es zuvor gar nicht gesehen hatten. Mit ein bisschen Fantasie konnten wir uns vorstellen wie das Leben hier unten in diesem friedlichen Tal wohl gewesen sein muss, als die Frauen zur Mühle kamen und Körbe von Mais auf ihren Köpfen balancierend herunterbrachten und mit frischgebackenem Maisbrot 'Broa' sich wieder auf den steilen Heimweg machten. Alles woran ich gerade denken muss ist, dass sie wohl bessere Wadenmuskeln hatten als ich – oder wie Annas Schwiegermutter zu sagen pflegt: "Abwärts helfen dir alle Heiligen, aufwärts jedoch nur einer, und der hinkt auch noch!“
1. Mai
Wie in vielen Ländern Europas ist der erste Mai auch hier ein Feiertag. In Portugal werden die Feiertage gemäss ihres Datums zelebriert und nicht gemäss ihres Wochentages, so ist es ein grosses Vergnügen für die Kinder an einem Donnerstag schulfrei zu haben – falls der Feiertag jedoch auf einen Sonntag fällt, reklamieren sie und fühlen sich hintergangen!
In Góis war heute ein wahrhaftiger Maitag – mit einem leuchtendblauem Himmel, flauschigen weissen Wolken, warmem Sonnenschein und überall um uns herum vibrierte das Leben. Wir machten eine kleine Fahrradtour ins nächste Dorf, wo uns gesagt wurde, dass heute der 'Tag der Schlangen' sei. Eine alte Portugiesische Weisheit besagt, dass man am ersten Mai kein Feuerholz nach Hause bringen sollte, da sonst Schlangen mit hereingebracht würden. Dies ist die Zeit, in der die Schlangen aus ihrem Winterschlaf aufwachen und sich ein warmes geschütztes Plätzchen suchen. Wir haben in diesem Jahr noch keine gesehen, aber eine Unmenge von Eidechsen flitzen im Sonnenschein herum und wir sind auch schon Blindschleichen und einer Walzenskinke begegnet! Auch die Laubheuschrecken sind aktiv geworden und zirpen ununterbrochen rhythmisch im Hintergrund, ein Vorbote des Sommers, der vor der Türe steht.
|
|