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28. September
September neigt sich dem Ende zu und das Fest des heiligen Erzengels Michael steht vor der Tür. Die Maisernte wurde in die Dörfer gebracht. Obwohl wir immer tiefer ins mechanisierte, technologisierte 21. Jahrhundert gleiten, sind die Traditionen rings um das Maisputzen in den Gemeinden immer noch offensichtlich und die Leute kommen zusammen in geselligen Gruppen um die Aussenhüllen und Bärte von den Maiskolben abzuziehen. Früher reichte dieser Prozess bis lange in die Nacht hinein und war ein guter Vorwand für ein Fest – heutzutage findet dies in geringerem Ausmass statt, hat jedoch offensichtlich für die Mitwirkenden immer noch Bedeutung und ist ein wichtiger Teil des Dorflebens. Nach dem der Mais gepellt wurde, werden die Kolben in der Sonne zum Trocknen ausgelegt, bevor sie dann in eine einfache Dreschmaschine gegeben werden um die Körner zu entfernen. Diese werden dann auf Tüchern an sonnigen Plätzen an der Strassenseite ausgelegt, was zu dieser Jahreszeit besonders vorsichtiges Fahren durch die Dörfer erfordert, da es das goldene Mosaik von trocknendem Mais zu umfahren gilt! Mais war schon immer ein zentrales Lebensmittel hier in Portugal, und der Zyklus des Anpflanzens, Erntens, Dreschens und des Mahlens hat über Generationen das tägliche Leben und den Jahresablauf der Frauen bestimmt, die dafür verantwortlich waren die Laiber von Maisbrot 'Broa' jeden Tag auf den Tisch zu bringen. Viele Frauen gingen jeden Tag von ihren Dörfern steile Hänge hinunter zur Mühle am Fluss und wieder zurück, den gemahlenen Mais nun auf dem Kopfe tragend. Diese Tage sind vorbei, obwohl sie in bleibender Erinnerung sind. Der Mais und die Broa sind immer noch ein grosser Teil des täglichen Lebens.
24. September
Eine der wichtigsten Früchte des Jahres steckt nun mitten im Ernteprozess, eine Frucht, die von fast allen in der einen oder anderen Form geschätzt wird – die edle Traube. Für einige Leute natürlich ist die Traubenlese synonym mit dem Wein, der daraus produziert wird und dann in reichlichen Mengen über das Jahr hinweg getrunken wird. Andere wiederum geniessen es die Trauben zu essen, vor allem wenn sie direkt von der Rebe gepflückt und ohne chemische Zusätze gewachsen sind. Nicht nur liefern die Weinreben diese wundervolle, gesundheitsfördernde Frucht und das beglückende alkoholische Getränk, sondern auch der Schatten derselben dient als traditioneller Unterstand vor Hitze und Sonne in den Sommermonaten und in den Städten und Dörfern ranken sie sich über Gitterstäbe, um grüne Tunnels und Schutzdächer zu schaffen. Die Traube ist für Portugal so bedeutend, dass nachgesagt wird, dass der alte Name Lusitania von Lusus stammen soll, dem Gefährten von Bacchus, dem Römischen Gott des Weins und des Festes.
"Das, was du siehst ist Lusus, von dessen Ruhm unser Königreich
Lusitanien seinen Namen hat" Luís Vaz de Camões
Wenn Sie mehr über die Geschichte der Weintrauben in Portugal erfahren möchten, schauen Sie bitte auf folgende Seite unserer Website:
http://goisproperty.com/Deutsch_Immobilien/Geschichte_Gois/Die-Geschichte-der-Weinrebe.html
16. September
Dies ist die Woche, wo die Flussufer ruhiger werden, da die Kinder widerwillig in die Schule zurückkehren und den langen Schulherbst antreten. Mehr als alles andere verkündet dies das Ende des Sommers. So lange Sommerferien zu haben macht es auf eine Weise schwerer in die Routine zurückzukehren, und es muss auch für die Lehrer ein Schock sein! Anders als in Grossbritannien haben wir hier in Portugal keine Herbstferien, so heisst es Kopf hoch und ran an die Arbeit für die nächsten 14 Wochen ohne Unterbruch – Bis Weihnachten ist dann jeder ferienreif. So beginnen wir uns unvermeidlich auf die kürzeren Tage und die Kastanien-'Magustos', kalte Morgen und Kaminfeuer an den Abenden zu freuen. Wie schnell alles sich verändert – vor ein paar Wochen noch fühlte es sich an als würde der Sommer für immer andauern – aber glücklicherweise erfreuen wir uns hier an allen Jahreszeiten in ihrem ganz unterschiedlichen und eigenen Kleid, und der Herbst ist eine Zeit von sanfter Beschaulichkeit und Gelassenheit, die ich für meinen Teil geniesse.
7. September
Obwohl die Temperatur langsam zu einem angenehmeren Tagesdurchschnitt abkühlt, ist es immer noch warm genug um nachmittags in den Fluss einzutauchen und abends, wenn es dunkel ist, draussen in der warmen Luft zu sitzen. Seit einigen Tagen erfreut uns ein neuer nächtlicher Besucher – als wir um die Tomatenpflanzen schnüffelten wurden wir auf die Gegenwart einer kleinen stachligen Kreatur mit spitzer Nase aufmerksam – unsere ganz eigene Mrs Tiggywinkle (Hauptcharakter in Gestalt einer Igelin in einem Kinderbuch, geschrieben und illustriert von Beatrix Potter)! Die letzte Nacht leistete ihr Mr Tiggywinkle Gesellschaft und wir sind sehr froh ihre Hilfe zu haben um die Schneckenbevölkerung niedrig zu halten. Derweilen ist der Himmel zur Tageszeit immer noch ausnahmslos tiefblau und wir geniessen und bestaunen die Fülle von Früchten an den Bäumen und Hecken: Holunderbeeren, Vogelbeeren und Brombeeren wachsen im Überfluss. Gestern machten meine Töchter und ich uns davon an einen geheimen Badeplatz – jedermann hier kennt einen solchen Ort – und überliessen das Flussufer von Góis den Besuchern. Während wir um den Wasserfall herumplanschten und tauchten bemerkte ich all die Geschöpfe in unserer Nähe: die Fische im Fluss, Libellen, Wasserjungfern und Schmetterlinge flatterten, flogen und schwammen um unsere Köpfe, ein kleiner Frosch hüpfte vor mir hervor, eine Schafstelze flog hinunter um zu Trinken und ein Adler segelte hoch über uns. Was für eine Freude draussen in der Natur unter all den Geschöpfen zu sein!
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