| |
Life in Góis Nov 2008
Life in Góis Oktober 2008
Life in Góis Sept 2008
Life in Gois August 2008
Life in Góis Juli 2008
Life in Góis Juni 2008
Life in Góis Mai 2008




|
24. September
Die letzte Woche war für uns sehr aufregend und arbeitsreich da wir unsere Immobilienfirma Goispro- Mediação Imobiliária, Lda. offiziell registriert haben. Nun müssen wir nur noch einige offizielle Verfahren beenden und sind dann vollständig lizenziert und bereit mit der Arbeit anzufangen! In all dieser hektischen Tätigkeit der Firmengründung ist es eine Wohltat etwas Auszeit zu nehmen und sich in den Garten zurückzuziehen um die ruhige Stimmung der Landschaft auf uns wirken zu lassen. Nach Jahren in den nördlichsten Klimata von Grossbritannien staunen wir darüber die Herbst – Tagundnachtgleiche zu erreichen und immer noch von sanften Temperaturen umgeben zu sein. Schmetterlinge flattern umher und wir bereiten den Boden für die Aussaht der Winterpflanzen vor obwohl wir immer noch Tomaten, Gurken und Kürbisse ernten. Während wir die Erde umgraben, werden wir vom Glockenspiel begleitet, das im Tale die vollen und halben Stunden schlägt. Die Melodie ist, glaube ich, eine Strophe einer Hymne und scheint weitverbreitet in dieser Region zu sein und vielleicht sogar im ganzen Land. Dörfer, in dessen Nähe es Fabriken oder Minen gab – jegliche Orte mit Arbeitsplätzen, welche erforderten, dass die Arbeiter pünktlich erschienen – schafften sich Uhren und Glocken an um die Zeit anzugeben und vielleicht wurde es für das jeweilige Dorf sogar zu einer Art von Statussymbol diese zu besitzen. Von unserem Haus aus hören wir klar und deutlich ein Glockenspiel von der anderen Seite des Tales herkommend und an manchen Tagen, wenn der Wind in die richtige Richung weht, können wir den Klang von vier verschiedenen Glockenspielen in leicht verschobenen Abständen ausmachen, welche zunehmend schwächer werden. Es ist ein Teil des Lebensrhythmuses hier, nicht aufdringlich sondern erbaulich und beruhigend – Ich wünschte ich könnte es Ihnen senden!
19. September
Dies ist die Zeit im Jahr wo der Mais reif und bereit für die Ernte ist. Diese Region hat eine lange Geschichte der Maisproduktion und dieser wird immer noch in den Ländereien und Terrassenfeldern um die Dörfer angebaut, besonders auf den fruchtbaren Feldern im unteren Ceira Tal aber auch auf jedem noch so kleinen Fleckchen flachen Landes das Sonneneinstrahlung hat. Unterhalb unseres Dorfes befindet sich solch ein Fleckchen, gut bewässert vom Quellwasser, und wir sahen das Getreide spriessen, wachsen und reifen bis diese Woche, als ein grosser Haufen von Maiskolben auf dem kleinen Dorfplatz erschien. Wie ich schon in meinem letzten Blogeintrag erwähnte, ist das Putzen der Maiskolben und Auslösen der Körner eine Angelegenheit, die das ganze Dorf betrifft und die Mitglieder unseres Dorfes, wie in so vielen anderen auch, treffen sich auch heute noch um an diesem Ritual teilzunehmen und setzen sich gemeinsam im Kreis um den Haufen von Kolben herum. Früher sorgte der, dem die Kolben gehörten, für Essen und Getränke und es wurde gescherzt und Geschichten erzählt. Dem Maisputzen folgte jeweils ein Fest mit Musik und Tanz – die Erntezeit ist eine gute Entschuldigung für ein Fest! Es gab ein sehr beliebtes Spiel, bekannt als 'Xí' oder 'Chí', welches in den Dörfern um Vila Nova do Ceira in Verbindung mit den Maiskolben gepielt wurde. Der dunkle Kolben nannte man in einigen Dörfern 'Espiga Rainha' (Königinnenkolben), oder 'Espiga Rei' (Königskolben) oder 'Espiga Mulata' (Mulattenkolben) in anderen. Jeder, der beim Putzen auf einen dunkeln Kolben stiess, musste herumgehen und jedes Mitglied der Gruppe umarmen oder küssen – daher der Name 'Chí', was ein kindlicher Ausdruck ist für Küssen oder Umarmen. Verständlicherweise sorgte dieses Spiel für viele Hochzeiten und dies war ein weiterer Grund warum die Leute jeweils so gerne an der Arbeit des Maisputzens teilnahmen – wir haben eine 80-jährige Frau getroffen, die bei der Erinnerung daran immer noch errötete! Könnte ich wählen, würde ich viel lieber an einem dieser dörflichen "Maisfeste" teilnehmen als an einer 'kultivierteren' Form der Unterhaltung – es hört sich wirklich nach grossem Spass an!
Eltern in ganz Portugal stossen diese Woche gemeinsam einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus, weil, nach drei Monaten Ferien, die Kinder endlich wieder bereit sind für die Schule. Leuten, die das Britische Schulsystem gewohnt sind, mag es schwerfallen zu verstehen, dass wir tatsächlich bis wenige Tage davor, wenn wir einen Brief bekommen oder ein Poster im örtlichen Supermarkt hängt, je nach dem was als erstes erscheint, nicht wissen, wann unsere Kinder nach den Sommerferien wieder die Schule beginnen. Aber auch dann will das noch nicht heissen, dass dies auch wirklich das Datum des Schulanfangs bedeutet. Zuerst findet ein Treffen mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten statt. Dann, ein Tag oder so später, mag es einen Tag oder einen halben Tag Schule geben, an welchen jedoch nichts geschieht, bevor der Unterricht schliesslich ernsthaft beginnt. Manchmal kann es einige Wochen dauern bis alle Lehrposten besetzt sind, da die Lehrkräfte regelmässig von Ort zu Ort versetzt werden, anstatt eine permanente Stelle an einer bestimmten Schule zu haben. Einige Eltern erinnern sich mit Schrecken an das Jahr, in welchem die Schule nicht vor Mitte Oktober begann und somit die Kinder Sommerferien von fast vier Monaten hatten! Dieses Jahr gibt es Probleme mit der Ausgabe einiger Standard – Schulbücher für die jüngeren Schulkinder, was dazu führen kann, dass sie für einige Wochen die Bücher vom letzten Schuljahr verwenden müssen. Irgendwann erledigt sich das Problem aber von selbst und wenn der Unterricht in den Klassenzimmern mal beginnt, geht er ununterbrochen voran bis Weihnachten.
Natürlich ist der Schulbeginn auch unvermeidlich mit dem Ende des Sommers verbunden und es liegt unweigerlich eine Vorahnung des Frühherbstes in der Luft. Die Morgen sind nun sehr kühl geworden bevor die Sonne aufgeht, obwohl die Temperatur am späten Morgen bis um die 25ºC klettern kann. Unten, an der Gartenterrasse am Fluss sammeln sich die gefallenen Blätter und die Tische werden leerer – bald wird dies hier alles abgebaut und bis zum nächsten Sommer weggeräumt. Aber jede Jahreszeit hat ihre Vorzüge – der Mais wird nun geerntet und in einigen Dörfern versammeln sich die Menschen auch heute noch um gemeinsam die Kolben zu putzen und die Körner auszulösen, wie dies schon seit Generationen geschieht. Die Trauben und Feigen reifen und wir warten bis die Kastanien bereit sind für die ‚Magustos‘ im November wenn das Rad des Jahres sich weiterdreht.
5. September
Der Tag als der Regen kam! Plötzlich und ohne Vorwarnung wurden wir von einer riesigen grauen Wolke verschlungen, welche das Wasser auf uns niederprasseln liess.
Es fühlt sich an, als sei der Sommer vorbei als wir uns alle im Haus versammeln um das Wetter von einer sicheren trockenen Distanz aus zu betrachten. Die, denen nichts anderes übrig bleibt als sich hinaus zu wagen, tun dies unter dem Schutz eines grossen Regenschirms – wenigstens fällt der Regen hier einigermassen vertikal und der Schirm wird einem nicht von innen nach aussen geweht. Die Portugiesen nehmen Regenschirme sehr ernst – jeder Laden und jedes Café hat an Tagen wie diesen einen Schirmständer neben der Tür. Es ist ziemlich ungewöhnlich hier in diesen Breitengraden die diskretere ausziehbare Variante eines Schirms zu sehen – die Einwohner von Góis bevorzugen das währschaftere Modell, am liebsten mit einem Holzgriff, den man sich über den Arm hängen kann oder falls Sie ein Mann sind, der gerade seine Arme und Hände frei haben muss, hängen Sie ihn sich hinten in den Kragen Ihrer Jacke!
Aber wir heissen den Regen aus einem sehr guten Grund willkommen – der Boden ist so trocken geworden, dass Staubwolken wie Rauchschwaden sich unsere Einfahrt hinunter erhoben und der Garten war ausgetrocknet trotz all unserer Bemühungen mit dem Schlauch. Es ist grossartig zu sehen, dass der Boden sich mit Wasser vollgesaugt hat und zu wissen, dass dies auch hilft die Wasserreserven in den Flüssen und Quellen aufzufüllen, von welchen die ganze Region abhängig ist. Wir sind uns sicher, dass die Sonne in ein oder zwei Tagen wieder zurück sein wird!
|
 |
|