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Pinienharzherstellung in der Region Góis  
 

Pinienharzherstellung in der Region Góis

 
       
 

Pinienharz

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Pinienharz

Pinienharzherstellung in der Region Góis

Die Harzherstellung spielte eine wichtige Rolle in der Wirtschaft der Region Góis, vor allem was die ruralen Arbeitsplätze anging. Obgleich das Harzsammeln auch heute noch fortgeführt wird, lag der Höhepunkt zwischen 1920 und 1970. Es ist schwierig sich eine Ahnung der Industrie vor 1920 zu machen, aber wir wissen, dass das grösste Wachstum der Harzproduktion mit der Erschliessung des Pinhal Interior Norte kam – ein Gebiet von 2,617 km2, welches auch den Concelho von Góis beinhaltet. Dieses beforstete Gebiet wurde zwischen 1900 und 1950 systematisch mit See-Kiefern (Pinus pinaster) bepflanzt.

Pinienharz ist eine zähflüssige Substanz, welche vom Pinienbaum ausgeschieden wird um irgendwelche Verletzungen des Baumes abzudichten und zu schützen. Es ist von gelb-bräunlicher Farbe und härtet im Kontakt mit der Luft zu einer bröckligen klebrigen Kruste. Versteinertes Harz ist als Bernstein bekannt und gehört zu den Halbedelsteinen.

Pinienharz Pinienharz

Wozu wird Pinienharz verwendet ?

Pinienharz wird hauptsächlich zur Herstellung von Terpentin und Kolophonium verwendet. Terpentin (der Name stammt von (Pistacia terebinthus) oder auchTerpentinbaum  genannt, welcher zur Spezies der Pistazienbäume gehört und dessen Saft einst destilliert wurde) wird verwendet um Farben und Lacke zu verdünnen oder aufzulösen, in Schuhcremen und Siegelwachsen. Terpentin wird auch vielen Reinigungsprodukten zugefügt weil es antiseptische Eigenschaften besitzt und einen angenehmen Pinienduft verströmt. Kolophonium wird in Papierleim und in der Seifenherstellung verwendet, sowie auch in Lacken und Farben. Am Bekanntesten ist jedoch wahrscheinlich die Verwendung an den Bögen der Streichinstrumente wie zum Beispiel der Geige. Naturbelassenes Pinienharz wurde früher an Segelschiffen angewandt, weil es wasserundurchlässig war. Pinienharz hat auch medizinische Eigenschaften: Es wirkt bekannterweise gegen Krankheitserreger (dies ist die Hauptfunktion für den Pinienbaum) und wurde über Jahre bei Hautschürfungen und Wunden verwendet, wie auch als Behandlung gegen Läuse, mit tierischen Fetten vermischt um die Brust einzureiben oder inhaliert gegen Nasen-und Rachenleiden. Früher wurde es auf einem Würfelzucker oder in Honig angereicht  und diente als Behandlungsmethode gegen Darmparasiten und als Allzweckheilmittel. Es ist auch ein Anregungsmittel, wirkt harntreibend und krampflösend. (Jedoch sollte man beachten, dass seine Dämpfe Haut und Augen verbrennen können, das Inhalieren die Lungen und das zentrale Nervensystem schädigen kann und die Einnahme zu Nierenversagen führen kann.)

Pinienharz

Wie wird das Pinienharz gesammelt ?

Ein Pinienbaum mittlerer Grösse kann etwa 3 – 4 Kg Harz pro Jahr produzieren. Die Pinien produzieren das qualitativ hochwertigste Harz in ihrer Wachstumsphase und so fällt die Menge des Harzsammelns zwischen April und September. Der Harzsammler entfernt eine Stelle der Rinde am unteren Teil des Baumes und entblösst so das Holz darunter. Er schlägt Metallteile in den Baum um den Harzfluss in die Terracotta - oder Plastikgefässe zu richten. Er sammelt das Harz von den Gefässen und ebenso aus dem Schnitt im Baum. Nachdem er das teilweise kristallisierte Harz entfernt hat, wird die Stelle mit einer Säurelösung bedeckt, welche den weiteren Harzfluss anregt.  Jedes Jahr wird ein Schnitt etwas höher oben am Baumstamm angebracht. Ist der Schnitt einmal für den Harzsammler nicht mehr zu erreichen, beginnt dieser mit einem Schnitt an der gegenüberliegenden Seite des Baumes. Mit der Zeit wächst die Rinde über dem ursprünglichen Schnitt. Das Harz wird in alten Ölfässern gelagert, welche von der Harzfabrik eingesammelt werden.

Pinienharz Pinienharz
Pinienharz

Wie werden Terpentin und Kolophonium aus dem Pinienharz hergestellt?

Wir wissen auf Grund unserer Nachforschungen, dass es mindestens vier Harzdestillationsfabriken im Concelho von Góis gab. Heute ist nur noch eine davon übriggeblieben, in Chã de Alvares. Das Harz wird in Ölfässern, welche seitlich eine Öffnung haben, angeliefert. Das Loch wird geöffnet und das Harz wird in ein grosses Auffangbecken gegossen. Der nächste Prozess besteht darin das Harz zu erhitzen bis es flüssig wird und jegliche Schmutzpartikel aus dem Material herauszufiltern. Traditionsgemäss wurde früher das Harz durch ein offenes Feuer, in einem grossen abgedichteten Kessel erhitzt, welcher eine Kondensationsspirale besass, sehr ähnlich einer Whiskydistillerie. Das Terpentin kondensiert dann und zurück bleibt das flüssige Kolophonium auf dem Grund des Destillationskessels. Das auf diese Art und Weise gewonnene Kolophonium hatte eine rot-bräunliche Farbe. Moderne Destillationstechniken verwenden Dampf und stellen so ein Kolophonium von weitaus höherer Qualität und Reinheit und von einer goldgelben Farbe her. Sind das Terpentin und das Kolophonium einmal getrennt, wird das flüssige Kolophonium in metallene Tablette gegossen, wo es abkühlt und aushärtet. Wenn das Kolophonium hart ist, wird es von Hand mit einem Holzschläger in kleine Stücke zerschlagen, welche dann in Säcke abgepackt bereit für ihren Vertrieb stehen.

Pinienharz Pinienharz
Pinienharz Pinienharz
Pinienharz

Heute gibt es noch viele alte Pinienbäume in der Region, welche immer noch nach Harz angezapft werden oder Bäume die Narben vom jahrzehntelangen Harzsammeln aufweisen. In der ganzen Region kann man immer noch Terracottagefässe finden, die einst für das Harzsammeln verwendet wurden, und dies selbst in Wäldern, die nicht mehr aus Pinien bestehen. In manchen Gebieten war das Harzsammeln die Haupteinnahmequelle und öfters koexistent mit dem Halten von Bienen und der Herstellung von Holzkohle. Es ist eine Tatsache, dass in Wäldern mit aktiver Harzproduktion weniger häufig Waldbrände auftraten, wahrscheinlich weil die unmittelbare Gemeinde ein grosses Interesse daran hatte ihre Bäume zu erhalten – das erste dokumentierte Waldfeuer in der ganzen Freguesia von Alvares ereignete sich erst 1970. Das in Portugal und anderen mediterranen Ländern gesammelte Harz ist für seine Topqualität bekannt, aber auf Grund der teureren Arbeitskräfte wurde die Produktion zu einem grossen Teil während der letzten 35 Jahre in Entwicklungsländer verlagert.

Wir möchten uns bedanken bei PRORRESINA – Produtos Resinosos, Lda., Chã de Alvares, 3330-110 Alvares, Telef./Fax 235 587 102 für ihre Hilfe bei den Nachforschungen für diese Webpage.

Pinienharz
 
 
   

 

 
   

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  Updated 26 August, 2008